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DIE BRÜCKE DER DEUTSCHEN

Seit dem Jahr 1909 trägt die Brücke Santo Domingo über den Fluss Guadalmedina im Stadtzentrum von Málaga den Beinamen „Puente de los Alemanes”, Brücke der Deutschen.

     
   

Auf den ersten Blick wirkt die nur für Fußgänger und Radfahrer geeignete Brücke über den so gut wie nie wasserführenden Fluss Guadalmedina wenig spekatulär. Auffällig sind höchstens ihre grüne Farbe und die beiden geschwungenen Stahlbögen mit den jeweils drei seitlichen antiken Lampen. Und trotzdem findet sich ein Eintrag zu dieser Brücke in jedem Stadt- und Reiseführer, weniger wegen ihres Aussehens, als viel mehr wegen ihrer Geschichte und ihrer symbolträchtigen Funktion.

Die Zerstörung der Punte de Santo Domingo

Die heutige Brücke stammt aus dem Jahr 1909, ihr Vorgängerbau wurde zwei Jahre vorher bei einer Flutkatastrophe zerstört. In der Nacht vom 23. auf den 24. September des Jahres 1907 trat der Guadalmedina im Stadtzentrum von Málaga weit über die Ufer. Auf beiden Seiten des Flusses kam es in den Stadtvierteln zu verheerenden Zerstörungen. Im Norden der Stadt wurde die Puente de la Aurora Brücke der Morgenröte durch die Wassermassen aus ihren Verankerungen gerissen und trieb mit den Fluten flussabwärts. Mit voller Wucht prallte sie gegen die Puente de Santo Domingo und zerstörte diese völlig. Als in Deutschland Kaiser Wilhelm II. von dem Unglück erfuhr, erinnerte er sich an eine Katastrophe im Jahr 1900, bei der viele Deutsche ums Leben kamen. Es hätte wohl mehr Opfer gegeben, wären nicht die Einwohner Málagas zu Hilfe geeilt.

Am 16. Dezember 1900 lag der deutsche Dreimaster S.M.S. Gneisenau, eine als Kadettenschulschiff zur Ausbildung von Offizieren eingesetzte Kreuzerfregatte der Kaiserlichen Marine, bei ruhiger See eine halbe Seemeile vor dem Hafen von Málaga. Die Hafenkommandantur informierte den Kapitän über eine sich nähernde Wetterfront und bot an, die Fregatte im Hafen zu ankern. Aber die Warnung wurde ignoriert. Der einsetzende Wettersturz mit bis zu Windstärke acht zwang die Gneisenau schließlich, ihren Liegeplatz zu verlassen, da der Wind sie in Richtung Hafenmole drückte. In der Hektik führte ein Missverständnis letztlich zur Katastrophe.

Kommandant Kretschmann ging davon aus, dass die Maschine bereits unter Dampf stand und gab den Befehl zur vollen Fahrt. Aber die Dampfmaschine lief erst an und es kam zu einer Überlastung, die zum Ausfall der Maschine führte. Jetzt manovrierunfähig trieb die Gneisenau in Richtung Hafenmauer und lief auf die Mole auf. Immer wieder drücken die Wellen die Fregatte auf den Wellenbrecher, bis der nicht gepanzerte Rumpf schließlich barst. Nach 20 Minuten war das Schiff bereits bis zur Reeling versunken, wenig später bis zu den Unterrahen der Masten. Sofort wurde in Malaga Alarm ausgelöst, viele Malagueños begaben sich mit ihren kleinen Booten in die tobenden Fluten, um den Seeleuten zur Hilfe zu kommen. Zwölf von ihnen sollten nicht zurückkehren. 41 deutsche Seeleute kamen ums Leben, doch viele wurden durch den Mut der Einwohner Malagas gerettet, die auch bei der Versorgung der Verletzten und der Bergung der Toten halfen.

Der Neubau der Punte de Santo Domingo

In Erinnerung an dieses Unglück sowie aus Dankbarkeit für die Unterstützung durch die Malagueños sagte das deutsche Kaiserreich der Stadt Málaga seine Hilfe für den Neubau der zerstörten Punte de Santo Domingo zu und übernahm 40 Prozent der Baukosten. Im Dezember des Jahres 1909 konnte die neue Brücke eröffnet werden, die seit dem den Beinamen Puente de los Alemanes trägt. Im Dezember 2009 wurde im Beisein der Urenkelin von Kaiser Wilhelm II. Maria Luisa von Preußen in Málaga mit einem kleinen Festakt der 100. Jahrestag der „Brücke der Deutschen” gefeiert.

 
PUENTE DE SANTO DOMINGO (PUENTE DE LOS ALEMANES)
Die Brücke der Deutschen verbindet das historische Stadtzentrum am Pasillo de Santa Isabel mit dem neuen Zentrum am Pasillo de Santo Domingo.

Auf der Gedenktafel an der Brücke steht: „Alemania dono a Malaga este puente agradecida al heroico auxilio que la ciudad presto a los naufragos de la fregata de guerra "Gneisenau" MCM - MCMIX” Deutschland schenkte Malaga diese Brücke aus Dankbarkeit für die heldenhafte Hilfe, die die Stadt den Schiffbrüchigen der Kriegsfregatte Gneisenau leistete 1900 - 1909


Die beim Untergang der S.M.S. Gneisenau ums Leben gekommenen deutschen Seeleuten haben in Málaga auf dem Englischen Friedhof ihre letzte Ruhe gefunden. Über der Gruft ihrer Gräber erinnert ein Denkmal an die Opfer und das Unglück. Viele Überlebende der Gneisenau sind nach dem Unglück in Málaga geblieben und haben dort Familien gegründet. Als Beispiel wird oft der Komponist Emilio Lehmberg Ruiz genannt, der der Sohn eines Überlebenden der Gneisenau-Katastrophe ist.

Auf dem Friedhof liegt auch der Kommandant der Gneisenau Kapitän zur See Kretschmann. Als vor einigen Jahren sein Grab mutwillig zerstört wurde, waren es englische Soldaten aus Gibraltar, die es wieder errichteten. In Deutschland erinnert eine Gedenktafel in der Christus- und Garnisonskirche in Wilhelmshaven an die 41 Opfer der S.M.S. Gneisenau.

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